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unter gleichen Umständen. Holz- und Jagdfrevel waren an der Tagesordnung, und bei den häufig vorfallenden Schlägereien hatte sich jeder selbst seines zerschlagenen Kopfes zu trösten. Da jedoch große und ergiebige Waldungen den Hauptreichtum des Landes ausmachten, ward allerdings scharf über die Forsten gewacht, aber weniger auf gesetzlichem Wege, als in stets erneuten Versuchen, Gewalt und List mit gleichen Waffen zu überbieten. Das Dorf B. galt für die hochmütigste, schlauste und kühnste Gemeinde des ganzen Fürstentums. Seine Lage inmitten tiefer und stolzer Waldeinsamkeit mochte schon früh den angeborenen Starrsinn der Gemüter nähren; die Nähe eines Flusses, der in die See mündete und bedeckte Fahrzeuge trug, groß genug, um Schiffbauholz bequem und sicher außer Land zu führen, trug sehr dazu bei, die natürliche Kühnheit der Holzfrevler zu ermutigen, und der Umstand, daß alles umher von Förstern wimmelte, konnte hier nur aufregend wirken, da bei den häufig vorkommenden Scharmützeln der Vorteil meist auf seiten der Bauern blieb. Dreißig, vierzig Wagen zogen zugleich aus in den schönen Mondnächten mit ungefähr doppelt soviel Mannschaft jedes Alters, vom halbwüchsigen Knaben bis zum siebzigjährigen Ortsvorsteher, der als erfahrener Leitbock den Zug mit gleich stolzem Bewußtsein anführte, als er seinen Sitz in der Gerichtsstube einnahm. Die Zurückgebliebenen horchten sorglos dem allmählichen Verhallen des Knarrens und Stoßens der Räder in den Hohlwegen und schliefen sacht weiter. Ein gelegentlicher Schuß, ein schwacher Schrei ließen wohl einmal eine junge Frau oder Braut auffahren; kein anderer achtete darauf. Beim ersten Morgengrau kehrte der Zug ebenso schweigend heim, die Gesichter glühend wie Erz, hier und dort einer mit verbundenem Kopf, was weiter nicht in Betracht kam, und nach ein paar Stunden war die Umgegend voll von dem Mißgeschick eines oder mehrerer Forstbeamten, die aus dem Walde getragen wurden, zerschlagen, mit Schnupftabak geblendet und für einige Zeit unfähig, ihrem Berufe nachzukommen. In diesen Umgebungen ward Friedrich Mergel geboren, in einem Hause, das durch
die stolze Zugabe eines Rauchfangs und minder kleiner Glasscheiben die Ansprüche
seines Erbauers, so wie durch seine gegenwärtige Verkommenheit die kümmerlichen
Umstände des jetzigen Besitzers bezeugte. Das frühere Geländer
um Hof und Garten war einem vernachlässigten Zaune gewichen, das Dach schadhaft,
fremdes Vieh weidete auf den Triften, fremdes Korn wuchs auf dem Acker zunächst
am Hofe, und der Garten enthielt, außer ein paar holzichten Rosenstöcken
aus besserer Zeit, mehr Unkraut als Kraut. Freilich hatten Unglücksfälle
manches hiervon herbeigeführt; doch war auch viel Unordnung und böse
Wirtschaft im Spiel. Friedrichs Vater, der alte Hermann Mergel, war in seinem
Junggesellenstande ein sogenannter ordentlicher Säufer, d. h. einer, der
nur an Sonn- und Festtagen in der Rinne lag und die Woche hindurch so manierlich
war wie ein anderer. So war denn auch seine Bewerbung um ein recht hübsches
und wohlhabendes Mädchen ihm nicht erschwert. Auf der Hochzeit ging’s
lustig zu. Mergel war gar nicht zu arg betrunken, und die Eltern der Braut gingen
abends vergnügt heim; aber am nächsten Sonntage sah man die junge
Frau schreiend und blutrünstig durchs Dorf zu den Ihrigen rennen, alle
ihre guten Kleider und neues Hausgerät im Stich lassend. Das war freilich
ein großer Skandal und Ärger für Mergel, der allerdings Trostes
bedurfte. So war denn auch am Nachmittage keine Scheibe an seinem Hause mehr
ganz, und man sah ihn noch bis spät in die Nacht vor der Türschwelle
liegen, einen abgebrochenen Flaschenhals von Zeit zu Zeit zum Munde führend
und sich Gesicht und Hände jämmerlich zerschneidend. Die junge Frau
blieb bei ihren Eltern, wo sie bald verkümmerte und starb. Ob nun den Mergel
Reue quälte oder Scham, genug, er schien der Trostmittel immer bedürftiger
und fing bald an, den gänzlich verkommenen Subjekten zugezählt zu
werden. |
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