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nachher als so starkes Motiv seiner meisten Handlungen hervortrat. Der Ruf seiner Mutter störte ihn aus Gedanken, die ihm ebenso neu als angenehm waren. Sie saß wieder am Spinnrade. „Friedrich“, sagte sie zögernd; „sag einmal -“ und schwieg dann. Friedrich sah auf und wandte sich, da er nichts weiter vernahm, wieder zu seinem Schützling. „Nein, höre -“ und dann leiser: „Was ist das für ein Junge? wie heißt er?“ - Friedrich antwortete ebenso leise: „Das ist des Ohms Simon Schweinehirt, der eine Botschaft an den Hülsmeyer hat. Der Ohm hat mir ein paar Schuhe und eine Weste von Drillich gegeben; die hat mir der Junge unterwegs getragen; dafür hab ich ihm meine Violine versprochen; er ist ja doch ein armes Kind; Johannes heißt er.“ - „Nun -?“ sagte Margret. - „Was willst du, Mutter?“ - „Wie heißt er weiter?“ - „Ja - weiter nicht - oder, warte - doch: Niemand, Johannes Niemand heißt er. - Er hat keinen Vater“, fügte er leiser hinzu. Margret stand auf und ging in die Kammer. Nach einer Weile kam sie heraus mit einem harten, finstern Ausdruck in den Mienen. - „So, Friedrich“, sagte sie, „laß den Jungen gehen, daß er seine Bestellung machen kann. - Junge, was liegst du da in der Asche? hast du zu Hause nichts zu tun?“ - Der Knabe raffte sich mit der Miene eines Verfolgten so eilfertig auf, daß ihm alle Glieder im Wege standen und die Holzschenvioline bei einem Haar ins Feuer gefallen wäre. „Warte, Johannes“, sagte Friedrich stolz, „ich will dir mein halbes Butterbrot geben, es ist mir doch zu groß, die Mutter schneidet allemal übers ganze Brot.“ - „Laß doch“, sagte Margret, „er geht ja nach Hause.“ - „Ja, aber er bekommt nichts mehr; Ohm Simon ißt um sieben Uhr.“ Margret wandte sich zu dem Knaben: „Hebt man dir nichts auf? Sprich, wer sorgt für dich?“ - „Niemand“, stotterte das Kind. - „Niemand?“ wiederholte sie; „da nimm, nimm!“ fügte sie heftig hinzu; „du heißt Niemand, und niemand sorgt für dich! Das sei Gott geklagt! Und nun mach dich fort! Friedrich, geh nicht mit ihm, hörst du, geht nicht zusammen durchs Dorf.“ - „Ich will ja nur Holz holen aus dem Schuppen“, antwortete Friedrich. - Als beide Kna ben fort waren, warf sich Margret auf einen Stuhl und schlug die Hände mit dem Ausdruck des tiefsten Jammers zusammen. Ihr Gesicht war bleich wie ein Tuch. „Ein falscher Eid, ein falscher Eid!“ stöhnte sie. „Simon, Simon, wie willst du vor Gott bestehen!“ So saß sie eine Weile, starr mit geklemmten Lippen, wie in völliger Geistesabwesenheit. Friedrich stand vor ihr und hatte sie schon zweimal angeredet. „Was ist’s? was willst du?“ rief sie auffahrend. - „Ich bringe Euch Geld“, sagte er, mehr erstaunt als erschreckt. - „Geld? wo?“ Sie regte sich, und die kleine Münze fiel klingend auf den Boden. Friedrich hob sie auf. „Geld vom Ohm Simon, weil ich ihm habe arbeiten helfen. Ich kann mir nun selber was verdienen.“ - „Geld vom Simon? wirf’s fort, fort! - nein, gib’s den Armen. Doch, nein, behalt’s,“ flüsterte sie kaum hörbar; „wir sind selber arm. Wer weiß, ob wir bei dem Betteln vorbeikommen!“ „Ich soll Montag wieder zum Ohm und ihm bei der Einsaat helfen.“ - „Du wieder zu ihm? nein, nein, nimmermehr!“ - Sie umfaßte ihr Kind mit Heftigkeit. „Doch“, fügte sie hinzu, und ein Tränenstrom stürzte ihr plötzlich über die eingefallenen Wangen; „geh, er ist mein einziger Bruder, und die Verleumdung ist groß! Aber halt Gott vor Augen und vergiß das tägliche Gebet nicht!“ Margret legte das Gesicht an die Mauer und weinte laut. Sie hatte manche harte Last getragen, ihres Mannes üble Behandlung, noch schwerer seinen Tod, und es war eine bittere Stunde, als die Witwe das letzte Stück Ackerland einem Gläubiger zur Nutznießung überlassen mußte und der Pflug vor ihrem Hause stillestand. Aber so war ihr |
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